2. Periode: die Zeit in der Rheinischen Provinz

Um die Zeit der Kirchweihe wurde der Name „Philippsthal“ in „Thal“ umgewandelt.  Diesen Namen behielt der Ort bis gegen Ende des 18. Jahr-Hunderts, wo dann der Name der Festung „Ehrenbreitstein“ auch auf den Ort überging.

Ein wichtiges Ereignis für das Kloster in Ehrenbreitstein war die Abtrennung von der Kölnischen Provinz und die Errichtung der Rheinischen Provinz. Im Jahre 1668 war die Anzahl der Klöster in der Kölnischen Provinz auf 53 angewachsen, so dass sich die Ordensleitung gezwungen sah, die 25 südlichen Klöster abzutrennen und aus ihnen eine neue Provinz zu machen. Von diesem Zeitpunkt an war das Kloster in Ehrenbreitstein nicht mehr nach Köln ausgerichtet, sondern nach Mainz.

Fast ununterbrochen hatten die Kapuziner am Hofe das Amt des Hof-Predigers und des Beichtvaters, einige waren sogar persönliche Beichtväter und Berater des Kurfürsten. In dieser Hinsicht seien besonders genannt: P. Pantaleon aus Bitburg für Kurfürst Carl Caspar von der Leyen, P. Silvanus aus Waxweiler 26 Jahre lang für Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck und P. Deicola aus Rüdesheim 25 Jahre lang für Kurfürst Franz Georg von Schönborn. Neben ihren anderen Arbeiten und Aufgaben im Kloster, am Hofe und auf der Festung hatten die Kapuziner zunächst von 1657 an auch die Seelsorge am Orte bis zur Fertigstellung der Heilig-Kreuz-Kirche. Viele Patres aber waren Sonntag für Sonntag  als Prediger und Katecheten tätig in den Landgemeinden der Umgegend.

Als in den Jahren 1666 bis 1668 die Pest wütete, besorgten die Kapuziner auch den Dienst an den Kranken und Sterbenden. Sie betreuten diese nicht nur seelsorglich, sondern auch medizinisch und ließen zu diesem Zwecke mit finanzieller Unterstützung des Kurfürsten im südlichen Teil des Kloster-Gartens an der Stelle einer alten Mühle ein Pesthaus errichten. Denn wegen der Mühle gab es hier auch eine Wasserleitung aus der Blind. Dieses Pest-Haus diente auch später noch mehrmals als Krankenhaus, zeitweise auch als Hoflazarett.

In all den Jahrzehnten bis zur Säkularisation 1803 wurde viel getan an der Ausstattung und Verschönerung der im Barockstil erbauten Kirche. An den Stiftungen und Spenden beteiligten sich nicht nur die Kurfürsten, sondern auch viele adelige und bürgerliche Gönner und Wohltäter. Im Folgenden  mögen einige Beispiele Zeugnis geben von der Freigebigkeit und Opfer-Bereitschaft in den Jahren des 18. Jahrhunderts. 1701 ließ Kurfürst Johannes Hugo von Orsbeck die Loretokapelle und die darunter liegende Gruft renovieren. Im Jahre 1747 schenkte Franz Georg von Schönborn dieser Kapelle einen zweiten Altar: den Mater-Dolorosa-Altar. Im gleichen Jahre wurde die Kirche neu verputzt und gestrichen. Auch wurden neue Fenster eingesetzt. 1748 gab es neue Beichtstühle. 1753 erhielt die Kirche einen neuen Hochalter und zwei neue Seitenaltäre. Die Bilder malte der berühmte Maler Vincentius Daminii aus Venedig. Im folgenden Jahre 1754 wurde auch eine neue Kommunionbank aufgestellt und eine neue Glocke ge-schenkt. 1755 stiftete eine Ww. Hartung eine neue Kanzel. 1759 wurden auch die Kirchenbänke erneuert. 1760 schenkte Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff eine Orgel.

Außergewöhnliche Feierlichkeiten gab es in der Kirche anlässlich der Heiligsprechung  dreier Angehöriger des Ordens: 1712 des hl. Br. Felix   von Catalice und 1747 des hl. Fidelis von Sigmaringen und des hl. Josef von Leonissa. Weil seit 1668 das Kloster auch das Studienkloster der Rheinischen Provinz war, fanden in der Kirche oft Priesterweihen statt. Es gab aber auch Bischofsweihen: 1710 wurde Johannes Matthias von Eyss zum Weihbischof geweiht. 1755 weihte Franz Georg von Schönborn seinen Coadjutor Johann Philipp zum Bischof, der schon im folgenden Jahre auch sein Nachfolger wurde.        

Erwähnt sei auch, dass in der zur Kirche gehörenden Loretokapelle bzw. in der Gruft darunter nicht nur Kapuziner beerdigt wurden, sondern auch gelegentlich andere Verstorbene, wenn auch z. T. nur zeitweilig: wie z.B. von 1676 bis 1717 Herzog Karl IV. von Lothringen, 1711-1715 Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck, 1756 von  Januar bis April Kurfürst Franz Georg von Schönborn.

Die Französische Revolution und als deren Folge die Säkularisation brachten im Jahre 1803 das Ende aller geistlichen Fürstentümer und geistlichen Orden in fast allen deutschen Staaten. Das war auch das Ende für die Rheinische Kapuzinerprovinz und somit auch für das Kloster in Ehrenbreitstein.

Zunächst kamen die Kirche und das Kloster in den Besitz des Fürsten von Nassau-Weilburg, der die Kirche der Gemeinde Ehrenbreitstein übergab und die Kapuziner noch bis 1813 im Kloster wohnen ließ. Nach ihrer Vertreibung starben diese auf den von ihnen übernommenen Pfarrstellen oder wo sie sonst Unterkunft gefunden hatten. Der letzte von ihnen, der noch bis 1828 die Stelle eines Vikars an der Klosterkirche hatte, starb im Januar 1837. Von da an versahen die Pfarrgeistlichen von Heilig Kreuz den Gottesdienst in der Klosterkirche.

1815 kamen die am Rhein liegenden Gebiete des ehemaligen Kurfürsten-tums Trier, und damit auch das von Hessen-Nassau annektierte Gebiet, an das Königreich Preußen und wurden von diesem als  „Rheinprovinz“ eingegliedert. Das Kloster in Ehrenbreitstein und dessen großer Garten wurden vom Militärfiskus in Besitz genommen. Dieser Komplex wurde zu einem Train-Depot ausgebaut, d.h. zu einer Kaserne mit zwei entsprechen-den Remisen für die Pferde, Wagen und Mannschaften. 1872 wurde das Kloster abgerissen und an dessen Stelle ein Kasino mit Wohnungen für die Offiziere gebaut. Vom Abriss verschont blieben nur der Pfortenbereich, der Pfortengang und einige direkt an der Kirche angebaute Räume. Diese wurden als zur Kirche gehörig der Gemeinde überlassen.

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