3. Periode: die Zeit in der Rheinisch- Westfälischen Provinz

Um 1850 beschloss die Ordensleitung der Kapuziner in Rom, in Deutschland einen neuen Anfang zu starten. Daraufhin kamen von der Tiroler Provinz, die die Säkularisation überstanden hatte, und von der schon wieder neu bestehenden Belgisch-Holländischen Kustodie einige Patres und Brüder, um wieder Fuß zu fassen. zunächst an Orten, wo die Kapuziner schon vor der Säkularisation gewesen waren und wo es noch ein Klostergebäude gab.. 1855 kam es zur Gründung der „Westfälischen Kustodie“, aus der schon 1860 die „Rheinisch-Westfälische Provinz“ wurde.

1861 gelang es, auch in Ehrenbreitstein wieder anzufangen. Die Kirche war ja noch intakt und in Gebrauch, als Wohnung dienten zunächst die Räumlichkeiten, die zur Kirche gehörten, und nicht dem zur Kaserne gewordenen Kloster. Es dauerte aber nicht lange, bis alles wieder verlassen werden musste, denn durch die Kulturkampfgesetze wurde 1875 das Kloster wieder aufgehoben. 12 Jahre später, im Jahre 1887 durften die Kapuziner zurückkehren. Im folgenden Jahre 1888 konnte der Orden zwei ehemalige an der  „Kirchstraße“ (heute „Humboldtstraße“) gelegenen Kameralhäuser erwerben und nach und nach durch Aufstocken und Umbauen zum heutigen Kloster umgestalten.  Auch in der Kirche wurde Schritt für Schritt Einiges getan durch Installierung moderner Einrichtungen: 1890 bekam sie eine Gas-Beleuchtung, 1904 eine elektrische Beichtschelle und 1906 eine Zentral-Heizung.

 Im Januar 1889 gründete der für seine sozial-karitativen Hilfswerke bekannte P. Cyprian Fröhlich, der zu dieser Zeit in Ehrenbreitstein stationiert war, das „Seraphische Liebeswerk“ für hilfsbedürftige Kinder. - Im August 1908 wurde das Kloster auch Residenz des Provinzials der Rhein.-Westfälischen Kapuzinerprovinz. Im gleichen Jahre wurde hier auch die Missionsprokur eingerichtet, deren Sorge zunächst bis zum Ende des 1.Weltkrieges dem Missionsgebiet der Provinz in der Südsee galt, später nach 1922 dem neuen Missionsgebiet in China.

Während des Krieges, von 1914 bis 1918, war die Klosterkirche auch Kirche für die Militärgottesdienste der Garnison und des Lazarettes. Noch während der Kriegszeit - 1917 - bekam die Kirche elektrisches Licht. 1925 erhielt sie eine neue Orgel.

Als nach dem verlorenen Krieg das Rheinland entmilitarisierte Zone wurde und 1929 auch die französische Besatzung abgezogen war, stand das Train-Depot mit seinem Offiziersheim, den beiden Remisen und dem Kasernenhof  leer und konnte zurückerworben werden. Die Remisen wurden abgerissen und der Kasernenhof wieder zum Klostergarten umgestaltet. Das Offiziers-Kasino und ein Teil des Gartens kam an das Seraphische Liebeswerk und wurde als  Heim für Lehrlinge eingerichtet. Es bekam den Namen „Konradshaus“, den es heute noch trägt. Auch das Lazarett auf dem Nachbargrundstück am Teichert stand leer und war zum Verkauf freigegeben. Auch dieses wurde gekauft und 1932 zu einer Kloster- und Missionsschule umgestaltet und diente unter dem Namen  „St.Antonius-Kolleg“ als Vorschule für die Ordensschulen in Bocholt und  Bensheim an der Bergstraße.

In den Nachkriegsjahren hatte die Kirche zweimal unter extremem Hochwasser  zu leiden: im Januar 1920 stand das Wasser in der Kirche 70 cm hoch, im Januar 1926 sogar 80 cm. Im April 1930 brachte ein Brand noch größere Zerstörung. Dachstuhl, Dachreiter und Glocke wurden Opfer des Feuers. Gleichzeitig mit der Renovierung dieser Schäden wurde neben der Kirche in Verlängerung des  Pfortenganges ein Neubau für das Provinzialat errichtet, in dessen Erdgeschoß sich auch die neuen Sprech-Zimmer des Klosters befinden.  1934 wurde die Loretokapelle renoviert und im Zusammenhang hiermit wurde die Totengruft unter ihr zugeschüttet. Im folgenden Jahre 1935 begann auch für die Kirche eine große Renovation: neuer Fußboden, Holzverkleidung an den Wänden, Neufassung der Altäre und neuer Anstrich des ganzen Kirchenschiffes. 1939, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, gab es auch noch eine erneuerte Kommunionbank und erneuerte Kirchenbänke.

Im Hinblick auf drohende Kriegsgefahr wurde 1938 der Keller des Klosters zu einem Luftschutzkeller ausgebaut, der dann in den folgenden Jahren auch oft genug benutzt werden musste. Vor wirklich großen Schäden durch Kriegseinwirkung blieben Kirche und Kloster verschont. Zwar wurde im September 1944 das Kirchendach beschädigt, im November alle Kirchen-Fenster zerstört, und 1945 vor der Besetzung durch die Amerikaner gab es noch einigen Schaden durch Granatsplitter. Im Verhältnis zu den anderen Zerstörungen in Ehrenbreitstein und Koblenz war das aber noch sehr glimpflich. So konnte schon kurz nach Kriegsende der Gottesdienst in der Klosterkirche wieder stattfinden, dies auch für die Pfarrgemeinde Heilig-Kreuz, deren Kirche völlig zerstört worden war. Im Juli 1947 übernahm das Kloster auch die Pfarrseelsorge in Ehrenbreitstein, die die Kapuziner auch nach dem 1. Mai 1964 weiterhin  behielten, als die Pfarrgemeinde wieder in die neuerbaute Pfarrkirche einziehen konnte.

Die Fassade der Klosterkirche, die 1933 einen mattgrünen Anstrich erhalten hatte, erhielt im August 1952 ein neues Aussehen durch weißen Rauverputz mit dunklem Steinsockel. Im Zuge der Erneuerungsbestrebungen des II. Vatikanischen Konzils wurde 1968 die Kommunionbank aus der Kirche entfernt und ein Voraltar aufgestellt. Wie schon in Ehrenbreitstein. so übernahmen die Kapuziner 1970 auch die Pfarrseelsorge in Niederberg und ebenso 1971 in der Pfarrei Arenberg mit der Filiale Immendorf. Im Jahre 1977 kam  auch noch  die Pfarrei Arzheim dazu.

In den Jahren 1976 - 1977 gab es große Renovierungsarbeiten in der Klosterkirche. Der Dachstuhl wurde verstärkt und neu mit Schiefer bedeckt. Die Mauern und der Boden wurden gegen Feuchtigkeit isoliert. Es wurde ein  neuer Fußboden gelegt und eine Warmluftheizung installiert. Es wurden neue Fenster eingesetzt und die Altäre und die Kanzel neu gefasst. Außerdem wurde ein neuer Voraltar aus Stein aufgestellt. Im März 1977 konnte die Kirche wieder benutzt werden.    

Auch in diesen Jahrzehnten nach 1977 bis heute wurden Kirche und Kloster einige Male vom Hochwasser heimgesucht, besonders schwer in den Jahren 1983, 1993 und 1995. 1993 kam das Hochwasser ausgerechnet zum Weihnachtsfest, so dass alle Gottesdienste an diesen Feiertagen ausfallen mussten. Das Wasser stand in der Kirche 92 cm hoch, der zweithöchste Stand, den die Kirche je gesehen hat. Nur 1784 stand  es 70 cm höher. Dank der großzügigen Arbeiten, die in den letzten Jahren zum Schutz des Ortes vor Hochwasser gemacht wurden und den ganzen Ort Ehrenbreitstein vor Hochwasser schützen sollen, sind auch die Kirche und das Kloster in Zukunft davor geschützt.

Wegen Personalmangel musste die Rhein.-Westf. Kapuzinerprovinz in den letzten Jahrzehnten viele Häuser aufgeben. Das Kloster in Ehrenbreitstein wurde erst 2008 aufgelöst. Vorher musste auch hier reduziert werden. Alle Pfarreien, die die Kapuziner in den Nachkriegsjahren übernommen hatten, waren inzwischen an die Diözese zurückgegeben worden.

In den vergangenen 350 Jahren hat die Klosterkirche der Kapuziner in Ehrenbreitstein viele Generationen kommen und gehen sehen, und mit ihnen viele Lebensstile und Denkweisen. Viele Hände haben an ihr gebaut und sie geformt und geprägt. Sie ist als Barockkirche entstanden und auch heute noch als Barockkirche zu erkennen. Sie wurde auch als Klosterkirche für ein Kapuzinerkloster konzipiert und ist es auch, was die Struktur und die Größenmaße angeht. Aber in ihrer Ausstattung und Ausschmückung ist sie keine typische Kapuziner-Kirche. Sie hat etwas fürstliches an sich und verrät dadurch auch ihre Herkunft und Vergangenheit. Glanz und Gloria der Kurfürsten sind vergangen, aber ein Stempel davon ist in der Klosterkirche zurückgeblieben. So gibt diese heute noch in unseren Tagen Zeugnis, sowohl von der barocken Lebensfreude früherer Zeiten, als auch von der großherzigen Opferbereitschaft der damaligen Gönner und Wohltäter.

P. Anicet Fletchker

Clearpixel50